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Der hässliche und arrogante Pfau- Eine kleine Geschichte zur Eigen-und Fremdwahrnehmung


Im Park eines Palastes ließ sich ein Rabe auf den Ästen eines Orangenbaumes nieder. Im satten Grün des Rasens stolzierte ein Pfau daher. "Wie kann man nur so einem merkwürdigen Vogel Einlass in diesen herrlichen Park gewähren", krächzte der Rabe. "Er schreitet ja so stolz, als wäre er der Sultan persönlich. Hat er nicht ausgesprochen hässliche Füße...und von welch dreister Farbe sein Gefieder ist...wie er seinen Schweif hinter sich her zieht, sieht er aus wie ein Fuchs...ein hässlicher Vogel. Damit hielt der Rabe inne. Die Antwort des Pfaus blieb lange aus. Endlich begann er wehmütig lächelnd: " Ich glaube, Deine Worte entsprechen nicht der Wirklichkeit. Du hast Dich von Missverständnissen leiten lassen. Ich will es Dir erklären. Du hälst mich für arrogant, weil ich meinen Kopf hoch trage. Du siehst, wie meine Schulterfedern sich sträuben und ein Doppelkinn meinen Hals verunziert. In Wirklichkeit bin ich alles andere, als arrogant." Er blickte hinauf zu dem Raben und fuhr fort: "Ich kenne meine Fehler, und sie bereiten mir großen Kummer. Nur um meine ledernen, faltigen Füße nicht immer sehen zu müssen, trage ich den Kopf so hoch, dass Du mich für stolzer als den Sultan halten konntest. Du siehst nur meine Hässlichkeiten." Er schlug ein Rad, in dessen prachtvollem Farbenspiel sich die Sonnenstrahlen badeten. "Vor meinen Vorzügen und meiner Schönheit verschließt Du die Augen. Was Du hässlich nennst, bewundern die Menschen an mir!"  Persien, P. Etessami - Dichterin 
Der hässliche Pfau- Eine kleine Geschichte zur Eigen-und Fremdwahrnehmung
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